SCHLAFSTÖRUNGEN AUS SICHT DER CHINESISCHEN UND INTEGRATIVEN MEDIZIN

Ying Zeng, Ärztin im Zentrum seit 2004

Der Begriff  „Schlafstörungen“ steht für verschiedene Probleme des Schlafens: Einschlaf-, Durchschlafstörungen, unruhiger Schlaf, frühmorgendliches Erwachen durch Träume, gestörter Schlaf.

Die Qualität des Schlafs hängt vom Zustand des Geistes (Chen) ab.

Der Geist ist im Herz verwurzelt, vor allem im Blut und Yin des Herzens.

Ist das Herz gesund und ausreichend Blut vorhanden, ist der Geist gut verwurzelt und der Schlaf ungestört. Besteht ein Leerezustand des Herzens oder ist das Herz durch krankmachende Faktoren wie Feuer erregt, ist der Geist nicht gut verwurzelt und der Schlaf wird beeinträchtigt.

Wichtig: Eine Aufstellung  aller im Zentrum behandelbaren Erkrankungen finden Sie hier.

In den reinen Fragen heißt es in Kapitel 46:

Wenn der Mensch sich niederlegt und nicht schlafen kann, so bedeutet das, dass die Yin-Organe geschädigt sind, sodass die Essenz keine Residenz hat, nicht ruhig ist, und der Mensch nicht schlafen kann.

Die sogenannte Wanderseele Hun spielt auch eine wichtige Rolle beim Schlaf. Länge und Qualität des Schlafens hängen vom Zustand der Wanderseele ab. Diese hat eine Beziehung zur Leber, ist in der Leber verwurzelt. Wenn sie gut verwurzelt ist, ist der Schlaf normal und ohne Träume. Bei einer Schwäche des Yin oder des Blutes der Leber, wandert die Wanderseele einher, was einen unruhigen Schlaf bedingt. Die Wanderseele wird nicht nur durch die Leberschwäche, sondern auch durch krankmachende Faktoren gestört: Überanstrengung, Sorgen und übermäßige Denktätigkeit.

Als pathogene Faktoren gelten:

  1. Überanstrengung, Sorge
  2. Überarbeitung
  3. Zorn
  4. Ängstlichkeit der Gallenblase
  5. Unregelmäßiges Essen
  6. Geburt
  7. Resthitze

Folgende Krankheitsbilder verursachen eine Schlafstörung, einmal Füllemuster und einmal Leeremuster. Zu den Füllemustern gehören:

  1. Emporloderndes Leberfeuer
  2. Emporloderndes Herzfeuer
  3. Schleimhitze bedrängt den Geist
  4. Resthitze im Zwerchfell

Der Punkt Leber 3 ist der Hauptpunkt, um Leberfeuer auszuleiten. Gallenblase 12 und 20 unterdrücken rebellierendes Leber Qi , Milz Pankreas 6 kühlt das Blut und beruhigt den Geist. Die Kombination aus Lenker LG 24 und Gallenblase 13 hat bei Lebersyndromen eine starke, im Geist beruhigende und die Wanderseele festsetzende Wirkung.

Grundsätzliche Punkte bei Schlafstörungen sind Pericard 6, Herz 7 EX-HN, EX-B9, EX-HN3 (Yin Tan), REN 15 und  Pericard 7. Zusatzpunkte bei Yin-Mangel sind Milz 6, Niere 3, Niere 6, Herz 6. Zur Nacht kann man noch Samenkörner ins Ohr kleben, auf den Point de Gerome, den 0-Punkt nach Nogiers und das Herz. Grundsätzlich sollte man Alkohol und stark gewürzte oder fettige Speisen meiden.

Leere Muster in der chinesischen Medizin sind:

  1. Herz und Milzblut-Mangel
  2. Herz-Yin-Mangel
  3. Herz und Niere harmonieren nicht
  4. Herz- und Gallenblasenschwäche
  5. Leber-Yin-Mangel

Beim lodernden Herzfeuer ist die übermäßige Sorge, Nachdenklichkeit die Ursache für das Syndrom. Es kommt zu nächtlichem Erwachen, Unruhezuständen, Albträumen, als Begleitsymptom tritt bitterer Mundgeschmack, Zungengeschwüre und Durst auf. Die Zunge ist rot mit Punkten, die Zungenspitze ist gerötet, der Belag meist gelb und der Puls seitenförmig.

Beim lodernden Leberfeuer ist die Ursache Ärger oder Frustration über einen langen Zeitraum, auch bei jungen Patienten. Der Schlaf ist unruhig. Es gibt ebenfalls Albträume oft boshaften Inhaltes, einen unruhigen Schlaf. Als Begleitsymptome gelten Unruhezustände, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Durst, bitterer Mundgeschmack, dunklerer Urin und Obstipation. Die Zunge ist rot, der Belag schmierig gelb. Der Puls ist schnell und überflutend.

Das Syndrom der Schleimhitze wird bedingt durch Fehlernährung. Aufsteigendes Magen-Qi schädigt den Magen und zermürbt den Verstand. Der Schlaf ist unruhig, man wälzt sich, unangenehme Trauminhalte. Als Begleitsymptom gilt Schwindel, Erbrechen, Appetitlosigkeit. Die Mundhöhle ist klebrig. Es gibt ein Beklemmungsgefühl im Brustkorb und ein Schweregefühl. Die Zunge ist rot, der Belag schmieriggelb. Der Puls schnell und schlüpfrig.

Bei der Disharmonie zwischen Herz und Nieren:

Ursache ist anhaltender Stress, schädigt das Nieren-Yin. Herz-Yin wird nicht ausreichend ernährt. Der Schlaf zeigt häufiges Erwachen, Nachtschweiß, Einschlafstörungen. Begleitsymptome sind Palpitation, Schwindel, schlechtes Gedächtnis, Tinnitus, Hitzesensationen in Fuß- und Handflächen und Rückenschmerzen. Die Zunge ist rot, es gibt Furchen im Herzareal, der Belag ist gering. Der Puls ist mäßig schnell.

Das Syndrom des Herz- und Gallenblasen-Qi-Mangels ist durch eine konstitutionelle Schwäche von Herz und Gallenblase bedingt und führt zur Ängstlichkeit im Schlaf, Erwachen in den frühen Morgenstunden ohne Wiedereinschlafen. Oberflächlicher Schlaf, Träume, viele Albträume. Begleitsymptome Kurzatmigkeit, Palpitation, Müdigkeit, passiver und ängstlicher Charakter. Die Zunge ist blass und hat Furchen im Herzareal. Der Puls ist leer.

Beim Syndrom des Leber-Yin-Mangels ist die Seele Hun entwurzelt und wandelt in der Leere umher (chin. Erklärungsmodell). Als Symptome gelten häufiges Erwachen, Sprechen im Schlaf, Schlafwandeln, viele Albträume. Als Begleitsymptome: Schwindel, verschwommenes Sehen, Gereiztheit, Hitzegefühl im Rachen. Haut und Haare sind trocken. Zunge ist rot, der Belag gering bis fehlend. Es gibt einen Trommelpuls, besonders links.

Zu den einzelnen Erkrankungen gibt es unterschiedliche Regeln bezüglich der Ernährung. Grundsätzlich sollte man nicht zu spät essen. Je nachdem, welches Syndrom vorliegt, z.B. bei Hitzesymptomatik, sollte man möglichst keine erhitzenden Speisen zu sich nehmen. Andere Speisen sind entsprechend positiv zu sehen.