Heilende Nadeln – Artikel der Berliner Morgenpost vom 18.09.2004

Heilende Nadeln

Chinesisches Heilwissen kostenlos für Kinder aus sozial schwachen Familien – von Brigitte Schmiemann

Dr. Achim Kürten will mit Akupunktur allergiekranken und infektanfälligen Kindern helfen Foto: Augen-Blick

Dr. Achim Kürten will mit Akupunktur allergiekranken und infektanfälligen Kindern helfen Foto: Augen-Blick

Akupunktur – für Schmerzgeplagte oft die letzte Hoffnung, wenn konventionelle Behandlungswege versagen. Selbst Stress zaubern die Nadeln fort. Dabei werden körpereigene Prozesse aktiviert, die die Selbstheilungskräfte beflügeln und alles wieder in Fluss bringen sollen. Im Zentrum für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin (TCM) behandeln Dr. Achim Kürten (40) und seine zehn Mitarbeiter seit drei Jahren Patienten, pro Tag kommen etwa 70. Sie nehmen es sogar in Kauf, ihre Genesung aus eigener Tasche zu zahlen (Diagnose und Therapiekonzept kosten 128 Euro, die anschließende Akupunktur-Behandlung kostet pro Sitzung 51 Euro). Denn trotz aller Erfolge werden Akupunkturleistungen von den Krankenkassen in der Regel nur im Rahmen von Modellprojekten übernommen.

Anlässlich des dreijährigen Jubiläums hat sich Dr. Kürten etwas einfallen lassen, was besonders jungen Menschen helfen soll: „Wir werden ab Anfang Oktober Kinder aus einkommensschwachen Familien, aus Heimen und auch Pflegekinder kostenfrei behandeln. Wir wollen vor allem allergiekranken und infektanfälligen jungen Menschen helfen. Bei ihnen macht die Prävention doch am meisten Sinn“, so die Hoffnung des gebürtigen Kölners, der als Frauenarzt zuvor in der Charité arbeitete und dort auch heute noch Vorlesungen über Traditionelle Chinesische Medizin hält.

Heuschnupfen, Neurodermitis, Asthma – jede Form der Infektanfälligkeit wird in der Kindersprechstunde behandelt. Auch überreizte Kinder mit Lernstörungen könnten von der Behandlung profitieren. Die Angst vor Schmerzen sei unnötig: „Für die Erstbehandlung setzen wir Samenkörner ein, die mit Hilfe eines kleinen Pflasters im Ohr haften. Ferner gibt es spezielle haarfeine Kindernadeln.“

Auch die kostenfreie Behandlung für Obdachlose und sozial Schwache jeden Mittwochvormittag bei der Berliner Stadtmission am Zentrum Lehrter Straße 69 wird trotz der neuen Kindersprechstunde fortgesetzt. Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn verstärkt gesundheitliche Beschwerden auftreten, könne eine Ohr-Akupunktur spürbare Erleichterung verschaffen. Viele Rentner und Sozialhilfeempfänger nähmen das Angebot dankbar an. Schwester Maria Kurz bietet den Hilfesuchenden zudem Lebensberatung an.

Für viele der Patienten im Zentrum ist die Anlaufstelle im St. Hedwig Krankenhaus Berlin in Mitte letzter Rettungsanker. Das Spektrum, das mit den hauchdünnen Stahlnadeln oder anderen Methoden der chinesischen Medizin behandelt wird, ist breit: Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen, Kopfschmerz, Ohrgeräusche, Asthma, Allergien, Wechseljahresbeschwerden, Herz-Kreislauf-, neurologische und Magen-Darm-Erkrankungen sind nur einige Beispiele. „Wir sind von unserer Arbeit überzeugt, verdienen mit dem Zentrum unseren Lebensunterhalt. Das funktioniert gut und deshalb wollen wir einen Teil davon Not leidenden Menschen zurückgeben“, begründet Dr. Kürten sein soziales Engagement. „Wir suchen außerdem Menschen, die uns bei diesen Projekten unterstützen oder auch Interesse haben mitzuarbeiten.“